Das Hobby
... RC-Automodell-Rennsport ist echter Motorsport im Kleinen.
Rennatmosphäre, die der am Nürburgring und Hockenheimring kaum an Dramatik, Spannung und Nervenkitzel nachsteht. Mit Kampf um Punkte, Pokale und Preise. Der direkte Kontakt zu den Fahrern ermöglicht interessante Einblicke in die komplexe Technik des RC-Automodellbaus.
Wenn die Modell-Rennwagen über den Asphalt jagen, schlagen die Herzen vieler höher. Väter entdecken wieder das Kind im Manne! Die Kleinen begeistert die Fahrerei, die Großen werden von der Technik gepackt.
Die Faszination am Rennsport hat viele, u.a. Automodellbauer, Motorsportfans und Motorsportler in den Bann gezogen und den Automodell-Rennsport zum Freizeitsport werden lassen. Michael Schumacher hat die gleichen Probleme: Flügeleinstellung, Fahrzeugabstimmung, Untersetzung und vor allem die Frage nach der richtigen Reifenmischung der Slicks - all das bewegt auch den Automodell-Rennsportler.
Ganz nebenbei erfüllt der Automodell-Rennsport eine wichtige Aufgabe, nämlich junge Leute und vor allem Jugendliche an die Technik heranzuführen und mit der zusammenhängenden Technologie vertraut zu machen. So werden nicht nur technisches Verständnis, handwerkliches Geschick sondern auch Kreativität und Teamgeist gefördert
Die Wahl
Für welchen Maßstab und welche Klasse man sich entscheidet ist nicht zuletzt eine Frage des Geschmacks und des Geldbeutels. Aktive Automodell-Rennsportler und der kompetente Fachhandel sind bei der Entscheidung behilflich. Gerade der Erfahrungsaustausch, die Insider-Tips, können dem Newcomer einiges an Lehrgeld ersparen. Informationen erhält man bei einem unserer Clubabende oder beim Training auf der Rennstrecke. Eines haben aber alle Klassen gemeinsam. Die Automodell-Rennwagen werden über eine 2-Kanal-Funkfernsteuerung gesteuert.
Die Entscheidung zwischen Nitro (Verbrenner) und Elektro (Brushless) im Glattbahn-Bereich ist heute weniger eine Frage der Geschwindigkeit – beide sind extrem schnell – sondern eine Frage der Philosophie und des Einsatzortes. Hier ist der direkte Vergleich, um dir die Wahl zu erleichtern:
1. Nitro (Verbrenner) – „Das Erlebnis“ Ein Nitro-Auto ist Mechanik pur. Es ist laut, riecht nach Rennsport und erfordert technisches Verständnis. Fahrzeit: Du kannst theoretisch den ganzen Tag fahren – einfach nachtanken und weiter geht’s (keine Ladepausen). Sound & Geruch: Das Kreischen des Motors und die Abgasfahne sorgen für echtes Rennsport-Feeling. Lärm: Du kannst fast nur auf speziellen RC-Rennstrecken fahren; Nachbarn tolerieren den Lärm auf Parkplätzen selten. Lernkurve: Den Motor bei Wetterumschwüngen richtig einzustellen, erfordert Geduld und Übung.
2. Elektro (Brushless) – „Die Präzision“ Moderne Elektro-Glattbahner sind technologisch überlegen. Sie beschleunigen oft brutaler und sind deutlich einfacher in der Handhabung. Leistung: Dank LiPo-Akkus und Brushless-Motoren ist die Beschleunigung meist besser als bei Nitro-Modellen. Überall fahrbar: Da sie fast lautlos sind, kannst du auch auf dem Supermarkt-Parkplatz oder in Wohngebieten fahren. Sauberkeit: Kein Öl, kein Sprit – das Auto bleibt sauber, die Wartung beschränkt sich auf Mechanik und Elektronik. Einfachheit: Akku rein, einschalten, losfahren. Ladepausen: Wenn du keine 4-5 Akkus und ein teures Schnellladegerät hast, ist nach 15-20 Minuten erst einmal Zwangspause. Emotionslosigkeit: Einigen Fans fehlt der "echte" Motorsound (es klingt eher nach einem lauten Staubsauger/Turbine).
Verbrennerklassen
VG 1:8 Glattbahn
in RC-Car im Maßstab 1:8 für die Verbrenner-Glattbahn (oft als "Königsklasse" VG8 bezeichnet) ist ein echtes Präzisionsgerät, das für extreme Geschwindigkeiten von über 100 km/h ausgelegt ist. Der Aufbau ist so gestaltet, dass man die maximale Performance auf asphaltierten Rennstrecken erzielen kann.
Chassis und Rahmen Das Herzstück ist eine meist 4-6 mm starke Aluminium-Chassisplatte. Material: Hochwertiges, eloxiertes Aluminium sorgt für Steifigkeit und dient gleichzeitig als Kühlkörper für den Motor. Um den Schwerpunkt so tief wie möglich zu halten, sind alle schweren Komponenten (Motor, Tank, Servos) direkt auf oder knapp über der Bodenplatte montiert. Radioplatte: Eine zweite Ebene aus Kohlefaser (Carbon) oder Kunststoff trägt die Empfangsanlage und die Servos.
Antriebsstrang Typisch für diese Klasse ist ein permanenter Allradantrieb (4WD), der meist über Riemen realisiert wird. Motor: Ein 3,5 ccm (.21 cu in) Nitro-Verbrennungsmotor mit hohen Drehzahlen (bis zu 45.000 U/min und mehr). Getriebe: Ein fliehkraftgesteuertes 2-Gang-Automatikgetriebe sorgt für brutale Beschleunigung und hohe Endgeschwindigkeit. Kupplung: Eine Zentrifugalkupplung (oft als "Centax"-Typ) ermöglicht fein justierbare Einkuppelvorgänge. Bremsen: Eine zentrale Scheibenbremse (oft aus Stahl oder Carbon) wirkt über den Antriebsstrang auf alle vier Räder.
Fahrwerk und Aufhängung Das Fahrwerk ist voll einstellbar, ähnlich wie bei einem echten Rennwagen. Einzelradaufhängung: Alle vier Räder sind einzeln an Querlenkern aufgehängt. Dämpfung: Im 1:8 Glattbahn-Bereich (VG8) sind die Dämpfer das Werkzeug für maximalen mechanischen Grip. Zweck: Sie schlucken hier keine Sprünge, sondern kontrollieren das Wanken (Rollen) des Chassis und halten die Moosgummireifen am Boden. Gehäuse: Kurz und kompakt aus beschichtetem Aluminium für minimale Reibung. Öl: Dickflüssiges Silikonöl (600–1000 CST). Kolbenplatten: Meist 1 bis 3 Löcher. Sie bestimmen den Durchflusswiderstand bei schnellen Lastwechseln. Federn: Progressiv bis Linear, diese Federn werden auf die Gegebenheiten der Jeweiligen Strecken ausgewählt Setup: Über die Rändelmutter wird nur die Fahrhöhe justiert, nicht die Härte (dafür wechselt man die Feder oder das Öl). Einstellbarkeit: Sturz, Spur, Nachlauf, Bodenfreiheit und Ausfederweg (Droop) können über Gewindestangen und Setup-Systeme millimetergenau justiert werden. Stabilisatoren: Vorne und hinten finden sich Draht- oder Messerstabilisatoren, um die Rollneigung in Kurven zu kontrollieren.
Komponenten und Zubehör Reifen: Im Wettbewerb werden fast ausschließlich Moosgummireifen auf Kunststoff-Kohlefaserverbund Felgen gefahren, die auf verschiedenen Härtegraden (Shore)des Mossgummis basieren, um optimalen Grip zu bieten. Tank: Ein ca. 125 ml fassender Tank der mit einer Druckleitung vom Resonanzrohr für die Spritzufuhr sorgt. Resonanzrohr: Ein speziell abgestimmter Auspuff, der die Motorleistung durch Gegendruck optimiert. Karosserie: Aerodynamisch optimierte "Lola"- oder Tourenwagen-Karosserien aus Lexan erzeugen den nötigen Anpressdruck (Downforce) bei hohen Geschwindigkeiten.
Erforderliches Startequipment
Da Wettbewerbschassis meist keinen Seilzugstarter haben, benötigst du: Startbox: Eine externe Box mit Elektromotor, auf die das Auto gedrückt wird, um die Schwungscheibe des Motors zu drehen. Glühkerzenstecker: Zur Aktivierung der Glühkerze während des Startvorgangs. Nitro-Kraftstoff: Eine Mischung aus Methanol, Rizinus- oder Synthetiköl und meist 16-25% Nitromethan.

VG10 Scale
Ein RC-Verbrenner-Glattbahnmodell im Maßstab 1:10 (oft als „Nitro Touring Car“ bezeichnet) ist eine hochgezüchtete Rennmaschine, die echte Verbrennungstechnologie im Miniaturformat nutzt. Diese Modelle erreichen Geschwindigkeiten von über 100 km/h und zeichnen sich durch ein extrem flaches Chassis und präzise Mechanik aus.
Kernkomponenten des Chassis Das Herzstück ist das Chassis, das bei 1:10 Verbrennern meist aus einer stabilen, ca. 2,5 bis 3 mm dicken Aluminiumplatte (z. B. 6061 Aluminium) besteht. Diese dient nicht nur der Stabilität, sondern auch als Kühlkörper für den Motor.
Aufhängung & Fahrwerk: Unabhängige Doppelquerlenker an allen vier Rädern sorgen für maximalen Bodenkontakt. Öldruckstoßdämpfer und einstellbare Stabilisatoren ermöglichen ein präzises Setup für verschiedene Streckenbedingungen. Antriebsstrang (Drivetrain): Meist verfügen diese Modelle über einen 4WD-Antrieb (Allrad), der die Kraft über Kevlar-verstärkte Riemen oder Kardanwellen überträgt.
Getriebe:
Viele Modelle nutzen ein 2-Gang-Automatikgetriebe, das für eine schnelle Beschleunigung im ersten Gang und eine hohe Endgeschwindigkeit im zweiten Gang sorgt. Der Verbrennungsmotor (Nitro-Motor) Im Maßstab 1:10 kommen typischerweise 2-Takt-Glühzündermotoren mit einem Hubraum von 2,11 ccm bis 3,0 ccm (.12 bis .18 ci) zum Einsatz.
Kühlung & Auspuff:
Die Motoren sind luftgekühlt und verfügen über einen großen Kühlkopf sowie ein Resonanzrohr (Tuned Pipe), das die Leistung optimiert. Kraftstoffsystem:
Der Tank hat meist ein Fassungsvermögen von 75 ccm und ist mit einem Schnellverschluss für Boxenstopps ausgestattet. Als Kraftstoff dient Nitro-Sprit, ein Gemisch aus Methanol, Nitromethane (Leistungszusatz) und Synthetiköl zur Schmierung. Start: Gestartet wird entweder per Seilzugstarter am Motor oder über eine externe Startbox.
Elektronik und Steuerung
Trotz des Verbrennungsmotors benötigt das Auto Bordelektronik, die über einen kleinen Akku (Empfängerakku) versorgt wird:
Servos:
Ein kräftiges Servo ist für die Lenkung zuständig, während ein zweites Servo das Gas und die Bremse (meist eine Scheibenbremsanlage) steuert.
Empfänger: Er verarbeitet die Signale der 2,4 GHz Fernsteuerung. Fail-Safe: Eine wichtige Komponente, die das Fahrzeug bei Funkabriss automatisch abbremst, um Unfälle zu vermeiden.
Reifen und Karosserie
Moosgummireifen: Auf Asphalt bieten breite Moosgummireifen (Foam Tires) den besten Grip, da sie sich förmlich mit der Strecke verzahnen. Karosserie: Die aerodynamischen Lexan-Karosserien sind extrem leicht und darauf ausgelegt, bei hohen Geschwindigkeiten Abtrieb (Downforce) zu erzeugen.
Und nicht zu vergessen sind die Elektro- Glattbahner, die durch mittlerweile sehr starken Motoren und leistungsfähigen Akku den Verbrennern in Punkto Geschwindigkeit nachhängen. Das einzige Mako ist die Renndauer, da die Akkus nach ca. 5-6min an Leistung verlieren.
1:8 Elektro-Glattbahn teilt sich in zwei Welten:
Pan Cars :
Konzept: Simples Plattenchassis, extrem leicht und wartungsarm.
Federung: Meist starr oder „semi-gefedert“ über den Material-Flex und O-Ringe.
Einsatz: Nur auf topfebenen Strecken; purer Speed, maximale Effizienz.
Gefederte Chassis:
Konzept: Basieren oft auf Nitro-Wettbewerbsautos.
Federung: Einzelradaufhängung mit vier Öldruckstoßdämpfern.
Einsatz: Mehr Grip auf unebenen Strecken; komplexeres Setup, dafür stabileres Fahrverhalten.
Willkommen im RC-Automodell-Rennsport!
Eine echte Alternative zum 1:1 Motorsport für Jung und Alt.
